Während der „Jahresausstellung“ der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle am 18. und 19. Juli 2026 wurden erneut anonyme Flugblätter mit klaren antisemitischen Inhalten verbreitet und fanden mehrere gegen die Politik Israels gerichtete Aktionen statt. Die Hochschulleitung wird darin kritisiert und die Jüdische Gemeinde zu Halle erneut verunglimpft. Zu diesen Vorfällen erklären der jüdische Landesverband:
Zum dritten Mal in Folge wird die Jahresausstellung der Burg Giebichenstein von antisemitischen Vorfällen überschattet. Zum dritten Mal sehen wir uns gezwungen, eine Stellungnahme zu veröffentlichen, an demokratische Werte zu erinnern und um Respekt zu bitten. Und zum dritten Mal erleben wir statt eines Dialogs eine zunehmende Eskalation und Aggressivität gegenüber jüdischen Institutionen und jüdischem Leben.
Im vergangenen Jahr haben wir aktiv den Austausch mit Studierenden gesucht, Gespräche geführt und zu Besuchen in unserer Gemeinde eingeladen. Unser Ziel war es, Brücken zu bauen und Missverständnisse abzubauen. Stattdessen wurden im Mai diesen Jahres Flugblätter verbreitet, in denen gefordert wurde, die Zusammenarbeit mit der jüdischen Gemeinschaft zu beenden. In Sorge um die Sicherheit unserer Mitglieder sahen wir uns gezwungen, den begonnenen Dialog mit dem Studierendenrat zunächst nicht fortzusetzen.
Zur diesjährigen Jahresausstellung tauchten nun erneut anonyme, feindselige und diffamierende Flugblätter auf. Sie sind durchdrungen von israelfeindlicher und offen antisemitischer Ideologie.
In ihnen wird erneut offen Hetze gegen die Jüdische Gemeinde zu Halle betrieben. Das macht unseren Mitgliedern Angst. Als jüdische Gemeinschaft sind wir eng mit Israel verbunden; israelbezogener Antisemitismus ist ein wesentlicher Bestandteil des heutigen Antisemitismus. Daher bezeichnen wir das Flugblatt nicht als ‚teilweise antisemitisch‘, sondern als klar antisemitisch.

Die Leitung der Kunsthochschule, die in den Flugblättern stark kritisiert wird, hat ihre Ablehnung von jeder Form von Antisemitismus erneut betont und auf die anonyme Form verwiesen, die das Gespräch verhindere. Das erkennen wir an. Aber dabei darf es nicht bleiben.
Antisemitismus hat tiefe historische Wurzeln und zeigt sich heute in neuen Formen, die sich schnell verbreiten und zunehmend radikalisieren. Er tritt zunehmend unter dem Deckmantel sogenannter „Israelkritik“ auf. Es ist unerlässlich, dass öffentliche Institutionen diesbezüglich klar kommunizieren und handeln, damit nicht ein Umfeld entsteht, in dem antisemitische Narrative normalisiert werden, jüdische Organisationen delegitimiert werden und jüdische Menschen sich unsicher fühlen müssen. Das betrifft nicht nur einzelne Vorfälle, sondern zunehmend strukturelle Muster, die das gesellschaftliche und ganz besonders das akademische Klima vergiften.
Unsere Frage an alle Verantwortlichen ist: Was wurde und wird unternommen, um jüdisches Leben zu schützen, um Wiederholungen solcher Vorfälle zu verhindern und um eine demokratische, respektvolle Kultur auf dem Campus zu gewährleisten?
Meinungsfreiheit darf nicht als Deckmantel für Hass und Einschüchterung dienen.
Kunst- und Wissenschaftsfreiheit dürfen nicht zur Rechtfertigung antisemitischer Inhalte missbraucht werden.
Antisemitismus darf nicht ignoriert oder relativiert werden und auf keinen Fall folgenlos bleiben.
Wir erwarten von allen staatlichen und akademischen Institutionen eine eindeutige Haltung, die Wahrnehmung von Verantwortung und konkrete Maßnahmen.
Inessa Myslitska und Rimma Fil
für den Landesverband Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt