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 Alexander Goldenberg sel. A.

Sascha Goldenberg wurde 1959 im Norden Russlands geboren, auf der Halbinsel Kola. Er war das dritte Kind in der Familie eines Oberstleutnants und einer Lehrerin. Disziplin und Bildung prägten sein Elternhaus – doch schon früh zeigte sich in ihm eine andere, eigene Kraft: die Musik. Sein großer Wunsch war es, Musiker zu werden.

Mit nur 14 Jahren fasste er einen Entschluss, der viel über seinen Charakter erzählt. Er verließ das Elternhaus und ging nach Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, um seinen Traum zu verwirklichen. Es war ein Schritt voller Mut und Entschlossenheit – ein Aufbruch in ein selbstbestimmtes Leben.

Er studierte Musikwissenschaften und Klavier am Musikkolleg des Staatlichen Konservatoriums „Rimski-Korsakow“, unter anderem bei Professor Jusef Cohn. Seine Ausbildung war anspruchsvoll und intensiv. Erste große Bühnenerfahrungen sammelte er am weltberühmten Kirow-Theater, wo er das Opern- und Ballettrepertoire in seiner ganzen Tiefe kennenlernte. Diese Zeit prägte ihn künstlerisch und persönlich.

Später arbeitete Sascha als Musiklehrer in Leningrad. Parallel dazu trat er mit verschiedenen Musikerinnen und Musikern auf unterschiedlichen Bühnen auf. 1988 übernahm er als künstlerischer Gesamtleiter eines Roma-Theaters Verantwortung – als Regisseur und Bühnenpianist. Er gestaltete Programme, begleitete, inspirierte. Musik war für ihn nie nur Beruf, sondern Ausdruck seines innersten Wesens.

1984 heiratete er seine Tatjana, seine Tanja. Gemeinsam bauten sie eine Familie auf. Ihre Kinder Olga, Mischa und Liza wurden der Mittelpunkt seines Lebens. Später kamen vier Enkelkinder hinzu: Lara, Pauline, Georg und Leopold. Sie alle bereicherten sein Leben auf besondere Weise.

Doch das Leben in Russland wurde zunehmend schwieriger – besonders für jüdische Familien. Die Entscheidung zur Migration war kein leichter Schritt. 1992 kam Sascha mit Tanja und den beiden älteren Kindern nach Deutschland. Sein Beweggrund war klar: Er wollte Sicherheit, Perspektive und eine geschützte Zukunft für seine Familie. Ein Teil der Verwandtschaft war bereits nach Israel und in die USA gegangen. Für Sascha und seine Familie wurde Halle zur neuen Heimat. Kurz nach der Ankunft wurde dort die jüngste Tochter Elisabeth geboren – ein Zeichen des Neubeginns.

Auch in Deutschland blieb Sascha seiner Berufung treu. In den letzten Jahren war er regelmäßig als Musiker im Freien Theater Apron zu erleben, auch als Schauspieler stand er auf der Bühne. Als Solopianist und Organist war er auf vielen Bühnen in Deutschland aktiv. Seine Musik verband Menschen – leise und kraftvoll zugleich.

Saschas Lebensweg war geprägt von Aufbruch und Verantwortung, von Kunst und Familie, von Verwurzelung und Neubeginn. Er hat Entscheidungen getroffen, die Mut erforderten. Er hat Wege beschritten, die nicht immer einfach waren. Und er hat dabei nie aufgehört, Musiker zu sein.

Besonderes Highlight: Engagement bis nach Vietnam mit dem Stück „Casablanca“ beim Theater Apron.

Sascha ließ sich von Rückschlägen nicht entmutigen – gerade auch im Kontext der Migration. Diese Stärke und Haltung hat er seinen Kindern weitergegeben. Er war ein fürsorglicher Ehemann und Vater, Lehrer, Freund und stets ein verlässlicher Mensch.

Wir alle schätzten seine bedingungslose Hilfsbereitschaft, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Er war – wie man sagt – immer anrufbar.

Nicht nur seine Familie schätzte seine Verbundenheit über Grenzen hinweg. Trotz großer Entfernungen: Sascha pflegte enger Kontakt zu Verwandten und Freunden in anderen Teilen der Welt. Viele Menschen – in Deutschland, Israel, den USA und darüber hinaus – werden ihn vermissen.

Sascha war ein sehr liebevoller Großvater. Mit großer Freude und sichtbarer Stolz erzählte er immer wieder über seine Enkelkinder. 

Ein Leben, geprägt von Musik, Mut, Familie und Menschlichkeit – und von einer stillen, beständigen Art, anderen Halt zu geben.

Heute nehmen wir Abschied. Doch sein Klang, seine Spuren, die er in den Herzen seiner Familie und all der Menschen hinterlässt, die ihn erleben durften, bleiben. Möge die Erinnerung an Sascha Trost spenden – und möge seine Musik in uns weiterklingen.