Redebeitrag vom Vorstandsmitglied Herrn Zoun am 9.11.2018 im Museum Synagoge Gröbzig

Am 9. November 1918 wurde die Weimarer Republik, die erste parlamentarische Demokratie auf dem deutschen Boden ausgerufen. Aus dem Deutschen Reich wurde de facto eine föderative Republik mit den Reichspräsidenten und Reichkanzlern. Diese Republik existierte jedoch nicht sehr lange: schon im September 1930 erhielte z. B. in heutiger Landeshauptstadt Magdeburg die NSDAP fast 20%, im Juli 1932 – 44% und im März 1933 – 47% Stimmen bei Reichstagswahlen. Damit war diese erste parlamentarische deutsche Demokratie bereits nach 15 Jahren zu Ende.

Im März 1933 begann das, was ein gegenwärtiger Fraktionsvorsitzende einer Partei im Bundestag als „Vogelschiss der deutschen Geschichte“ bezeichnet hat. Genau 20 Jahren nach der Geburt der Weimarer Republik entwickelte dieser „Vogelschiss“ zu einem den schlimmsten jüdischen Pogromen in deutscher Geschichte. Dieser Pogrom hat den Weg zur Massenvernichtung von Juden in Europa eröffnet – zum Holocaust.

Möglicherweise kann jemand diese Ereignisse als „Vogelschiss der Geschichte“ im Sinne des Zeitraums im Vergleich zur allgemeinen deutschen Geschichte bezeichnen. Für uns Juden war dieser „Vogelschiss“ jedoch zu brutal und bedeutete zu viel. Jede jüdische Familie nicht nur in Deutsch-land beklagte Opfer dieses Massenmordes. Deswegen möchten wir heute – an dem 100. Jahrestag der Weimarer Republik und am 80. Jahrestag des Novemberpogroms – denjenigen die das letztere Ereignis verharmlosen, sagen: den Vogelschiss kann man wegreinigen und die Oberfläche wieder sauber machen. Den Holocaust zu reinigen ist nicht möglich. Wer es jedoch versucht gefährdet die gegenwärtige deutsche Demokratie und stoßt sie zur Wiederholung des Schicksals der Weimarer Republik. Das dürfen demokratische Kräfte – egal ob vom rechten oder linken politischen Spektrum – nicht zulassen.

Und wir glauben an die Widerstandsfähigkeit der gegenwärtigen Gesellschaft: sie wird es nicht zulassen! Diese Widerstandsfähigkeit sollte sich nicht nur bei der Exekutive, der Legislative und der Judikative entfalten. Diese Widerstandsfähigkeit ist wesentlich wichtiger in der Gesellschaft insgesamt: sozusagen vor Ort, in den Städten und Kommunen, in den Kulturstätten, in den Stadien, in den Schulen und in den Universitäten. Einfach überall dort, wo in den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts die nicht präsent war.

Auch in Museen wie hier in Gröbzig. Wir sind sehr froh, dass die Zusammenarbeit der jüdischen Gemeinschaft mit der neuen Museumleitung sich auf einem guten Weg befindet. Ganz im Sinne des Staatsvertrages zwischen dem Land und der jüdischen Gemeinschaft Sachsen-Anhalts!

Erklärung des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt zum Auftritt der ehemaligen MdB Annette Groth in Magdeburg am 13. Oktober 2018

Unter dem Titel „Umdefinition des Antisemitismus?“ bewirbt der Deutsche Freidenker-Verband e.V. eine von Frau Groth angestoßene „Diskussion“ in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts. Gleich in ihrer Einleitung beklagt die Referentin die Beschlüsse in einigen Bundesländern und Städten, der antisemitischen BDS-Bewegung keinen Platz zu geben.

Die Position von Annette Groth bezüglich des Staates Israel ist nicht neu: Sei es die „Free Gaza“-Bewegung oder die „Toilettenaffäre“ im Bundestag, die ehemalige Bundestagsabgeordnete der LINKEN ist immer dabei. Die von ihr verbreiteten Thesen zeigen erneut, dass die Verschwörungstheoretiker auf beiden Seiten des politischen Spektrums in Bezug auf den Israelhass ganz nah zueinander stehen. Die Unterstützung von antidemokratischen, autoritären Regierungen, wildem Antiamerikanismus sowie diversen realitätsverfälschenden „Märchen“ vereinen diese Gruppen, die sich aufgrund ihrer Ansichten eigentlich gegenüber stehen sollten.

Das Hauptproblem ist nicht der Antisemitismus selbst, sondern die Reaktion, oder besser gesagt Gegenreaktion, der Öffentlichkeit, der betroffenen Religionsgemeinschaft, der betroffenen Partei oder der betroffenen Gremien auf antisemitische Erscheinungen in den eigenen Reihen. Diese Reaktion, sofern es sie überhaupt gibt, ist in den meisten Fällen unzureichend.

Die zum Auftritt von Annette Groth verfasste Erklärung der Landtagsfraktion DIE LINKE zeigt beispielhaft, wie die Reaktion auf solche Erscheinungen in der eigenen Partei sein sollte. Der Landesverband Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt begrüßt die eindeutige Distanzierung der Partei DIE LINKE in unserem Bundesland von der „Umdefinition des Antisemitismus“ à la Frau Groth.

Egal, ob Frau Groth den Begriff „Antisemitismus“ umdefiniert oder nicht, er bleibt bis dato an ihren Handlungen haften.

1948. Die Ausstellung.

Wann? – 8. bis 21. Oktober 2018
Wo? – Foyer des Juridicum, Universitätsplatz 5, 06108 Halle (Saale)

1948. Die Ausstellung

Warum die Ausstellung 1948?

Wie kein anderer Staat sieht Israel sich mit einem Informationskrieg konfrontiert und mit Vorwürfen, die in den allermeisten Fällen nicht der Wahrheit entsprechen, sondern plumpe Propaganda sind.

Aber Propaganda muss nichts beweisen. Propaganda will stören und zerstören. Die antiisraelische Propaganda wird befeuert von einem teilweise fundamentalistischen, generell antidemokratischen und antiwestlichen Geist. Im Kern geht es um die Verbreitung von historischen Verzerrungen im Zusammenhang mit der Staatsgründung Israels.

Kann man so hinnehmen wie vieles andere auch. Muss man aber nicht. 2018 feiert Israel seinen 70. Unabhängigkeitstag. Anlass genug, die geschichtliche Wahrheit zurückzuholen. Mit einer fundierten, bundesweit geplanten Ausstellung unter dem Titel „1948. Die Ausstellung“.​

Sie zeigt mit historischer Gründlichkeit, was im Mainstream untergeht: wie Israel wirklich entstand. Und entlarvt eine der absurdesten Propaganda-Kampagnen der Neuzeit.

Die Ausstellung zeigt:

  • Wie vor 100 Jahren aus Sumpf und Wüste fruchtbares Land wurde,
  • welche fanatischen Gegner zu Hass und Zerstörung aufriefen,
  • warum der Zionismus entstand,
  • wie der junge Staat Israel sich gegen den Angriff der arabischen Staaten wehrte,
  • wie die Zeit der Staatsgründung bis heute nachwirkt,
  • und noch mehr.

​​Die Ausstellung wurde am 8. Oktober 2018 eröffnet.Die Begleitveranstaltung findet am 16. Oktober 2018 um 19 Uhr im Melanchthonianum, Universitätsplatz 8/9, 06108 Halle (Saale) statt: mit Karl Pfeifer, der als 19-Jähriger für die Elite-Einheit „Palmach“ im israelischen Unabhängigkeitskrieg kämpfte, und Alex Feuerherdt, Beiratsmitglied der Ausstellung „1948“, Journalist und Autor von Vereinte Nationen gegen Israel.

 

Zu der von der AfD im Landtag initiierten Debatte über den Verein „Miteinander“ e.V.

Stellungnahme des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt

Mit großer Verwunderung und Entsetzen haben wir die im Landtag laufende Diskussion über die angeblichen Verfehlungen in der Arbeit des Vereins Miteinander e.V. zur Kenntnis genommen.

Unsere Erfahrung in der Zusammenarbeit mit dem Miteinander e.V. zeigt, dass in der Frage der Bekämpfung von antisemitischen Vorfällen und Tendenzen in unserem Bundesland der Verein stets aktiv Position bezogen hat. Dabei wurden alle Facetten von Antisemitismus und nicht nur seine rechtsradikale Komponente von den Vereinsmitgliedern auf entschiedenste zurückgewiesen.

Somit halten wir die Beschuldigung gegenüber Miteinander e.V., dass der Verein angeblich das Neutralitätsgebot missachtet und nur das rechte Parteispektrum anprangert, für unberechtigt.

Der Antisemitismus ist zu einem gemeinsamen Nenner geworden, der alle in anderen Fragen unversöhnlich gegenüberstehende radikale und demokratiefeindliche Richtungen zusammenbringt. Man kann wenige Gemeinsamkeiten zwischen Rechtsradikalen, Islamisten und Linksautonomen finden. Der Antisemitismus ist eine gemeinsame Indikation für sie alle. Sie alle hassen den Staat Israel, mögen – möglicherweise unter verschiedenen Aspekten – diverse Verschwörungstheorien.

Miteinander e.V. zeichnet sich gerade durch sein breites Spektrum aus. Die demokratischen Kräfte im Landtag sollten diese Eigenschaft des Vereins schätzen und seine für die Entwicklung der toleranten Gesellschaft wichtige Tätigkeit unterstützen und auf keinen Fall torpedieren.

Wir hoffen sehr, dass die demokratisch gewählten Landtagsabgeordneten ihre volle Energie der weiteren Entwicklung unseres Bundeslandes, dessen Infrastruktur und Zukunftsentfaltung widmen, anstatt sich mit unnötigen inhaltsleeren kurzsichtigen und daher gefährlichen Auseinandersetzungen beschäftigen.

 

Le-Schana towa u-metuka!

Schana towa u-metuka!

לשנה טובה ומתוקה!

Wir wünschen ein gutes, gesundes und friedliches Jahr 5779!
Best wishes from all of us for a gut un gezunt yor 5779!