Während der Chanukka-Tage erstrahlte Magdeburg in einem besonderen Licht. Im Rahmen des Projekts „Jüdische Kultur in Sachsen-Anhalt“ fanden an allen acht Abenden vielfältige Veranstaltungen für Menschen aller Altersgruppen statt. Jüdische und nichtjüdische Menschen kamen zusammen, um gemeinsam die Chanukka-Kerzen zu entzünden, Hoffnung zu teilen, miteinander zu lachen, zu essen und lebendige Gemeinschaft zu erleben.
Jeden Abend wurden die Kerzen der Chanukkia entzündet – mit einem Gebet um Frieden in der ganzen Welt sowie um Gesundheit und Wohlergehen für alle. Jede einzelne Kerze erinnerte daran, dass selbst ein kleines Licht die Dunkelheit vertreiben kann.
Das Programm war facettenreich und verbindend. Ein poetischer Abend im Frauenclub „Golda“ sowie im Seniorenclub bot Raum für Reflexion, Emotionen und offenen Dialog. Gast des Abends war Yuri Rosov, der nicht nur als Dichter beeindruckte, sondern auch als Vorsitzender des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden Mecklenburg-Vorpommern sowie als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Rostock. In seinen Gedichten über den Sinn des Lebens, menschliche Erfahrungen und aktuelle gesellschaftliche Themen verband er literarische Tiefe mit persönlicher und historischer Verantwortung – offen, bewegend und erstaunlich zeitgemäß. In einer warmen, vertrauensvollen Atmosphäre erhielt das Wort eine besondere Kraft und erinnerte an den Wert von Kommunikation, Mitgefühl und innerem Licht.
Ein weiterer Höhepunkt war der musikalische Abend in der Synagogengemeinde Magdeburg. Für den Seniorenclub sowie für den Club „Hatikva“, der Überlebende der Shoah vereint und seit vielen Jahren Teil der Gemeinde ist, trat der bekannte Musiker Leonid Norinsky auf. Die Musik wurde zu einer Brücke zwischen Erinnerung, Würde und Lebensfreude.
Besonders herzlich und fröhlich war der Besuch des jüdischen Puppentheaters „Bubales“ mit der Aufführung „Schlomos Chanukka-Wunderlampe“. Der sehr lehrreiche, farbenfrohe und humorvolle Auftritt begeisterte Kinder wie Erwachsene gleichermaßen. Mit Leichtigkeit und Wärme vermittelte das Stück Werte wie Hoffnung, Zusammenhalt und die Bedeutung von Tradition – ein echtes Chanukka-Erlebnis voller Lachen und Licht.
Die sechste Chanukka-Kerze stand ganz im Zeichen von Gemeinschaft und Verbundenheit. Sie wurde gemeinsam – über Zoom – mit der israelischen Partnerstadt Kiryat Motzkin sowie mit den Kindern der Sonntagsschule entzündet. Trotz der räumlichen Distanz fühlten sich alle verbunden: zur gleichen Zeit, im gleichen Licht und in der gleichen Tradition. Chanukka zeigte einmal mehr, dass Licht keine Grenzen kennt und echte Verbundenheit sogar über Bildschirme hinweg wächst.
Ein besonderer Höhepunkt des Chanukkafestes war die Einweihung der neuen Chanukkia vor der neuen Synagoge Magdeburg im Rahmen der Lichterwelt Magdeburg. Sie ist ein sichtbares Zeichen jüdischen Lebens – für die Gemeinde und für die gesamte Stadt. Chanukka gehört zu den beliebtesten jüdischen Festen und steht für Freude, Hoffnung und den Glauben daran, dass Licht und Liebe die Dunkelheit überwinden können – damals wie heute.
Jüdisches Leben ist seit über tausend Jahren ein fester Bestandteil Sachsen-Anhalts. Mit der neuen Chanukkia werden jüdische Kultur, Geschichte und Gegenwart sichtbar und erlebbar. Die Chanukkia wurde mit finanzieller Unterstützung des Büros des Beauftragten gegen Antisemitismus der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt realisiert. Sie ist nun Teil des Ensembles der beeindruckenden Lichtinstallationen der Magdeburger Lichterwelt.
Am letzten Tag des Chanukkafestes durfte die Synagogengemeinde besondere Gäste begrüßen: den Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt Dr. Reiner Haseloff, die Justizministerin Franziska Weidinger, den Landtagsabgeordneten Matthias Krull sowie zahlreiche Freundinnen, Freunde und Unterstützende der Gemeinde. Erstmals wurden alle acht Kerzen der neuen Chanukkia gemeinsam digital entzündet. Anschließend wurde gefeiert – mit Sufganiot, Latkes, Musik, Freude und guter Stimmung.
